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Gemeinschaft der Heiligen

Wir bekennen sie im (Apostolischen) Glaubensbekenntnis in jedem Gottesdienst: die Gemeinschaft der Heiligen. Aber leben wir sie auch in der Gemeinde? Prägend ist der Begriff des allgemeinen Priestertums. Martin Luther hat ihn wieder hervorgebracht als das allgemeine Priestertum aller Getauften. Wobei es bei „den Getauften“ zu Zeiten Luthers nicht die Frage nach getauften ausgetretenen Gemeindegliedern gab. Eigentlich ging es auch für Luther um das allgemeine Priestertum aller an Christus Glaubenden. Dieser Begriff bzw. dieses Thema ist aber nicht genuin lutherisch oder reformatorisch, sondern biblisch. Sogar schon im Alten Testament taucht dieser Gedanke auf. Nach dem Auszug aus Ägypten und der Ankunft am Sinai sagt Gott zu Mose (im 2. Buch Mose / Exodus, Kap. 19):

3 Und Mose stieg hinauf zu Gott. Und der HERR rief ihm vom Berge zu und sprach: So sollst du sagen zu dem Hause Jakob und den Israeliten verkündigen:4 Ihr habt gesehen, was ich mit den Ägyptern getan habe und wie ich euch getragen habe auf Adlerflügeln und euch zu mir gebracht. 5 Werdet ihr nun meiner Stimme gehorchen und meinen Bund halten, so sollt ihr mein Eigentum sein vor allen Völkern; denn die ganze Erde ist mein. 6 Und ihr sollt mir ein Königreich von Priestern und ein heiliges Volk sein. Das sind die Worte, die du den Israeliten sagen sollst.

Im 1. Petrusbrief ist dieser Gedanken dann im 2. Kapitel wieder wörtlich aufgenommen.

5 Und auch ihr als lebendige Steine erbaut euch zum geistlichen Hause und zur heiligen Priesterschaft, zu opfern geistliche Opfer, die Gott wohlgefällig sind durch Jesus Christus.

Gut aufgenommen ist dieser Gedanke in dem Heidelberger Katechismus, der prägend für die reformierten Kirchen geworden ist. In der Frage 54 wird jeder einzelne Mensch gleichrangig als „ein lebendiges Glied“ der Kirche bezeichnet, und in Frage 55 wird deutlich gemacht,

  • dass alle und jede/r einzelne Gläubige als Glieder an dem Leib Christi und allen seinen Schätzen und Gaben Gemeinschaft haben.
  • dass jede/r seine Gaben zu Nutz und Heil der andern Glieder gerne einsetzen soll und muss.

Schön auf den Punkt bringt es dann die Barmer Theologische Erklärung, deren 90 jähriges Jubiläum in diesem Jahr gefeiert wird, in ihrer vierten These6:

Die verschiedenen Ämter in der Kirche begründen keine Herrschaft der einen über die anderen, sondern die Ausübung des der ganzen Gemeinde anvertrauten und befohlenen Dienstes.

So weit ein kleiner Blick in die Bekenntnisse. Ein besonderes Pfündlein reformierter Theologie ist so wohl immer die Betonung der Gemeinschaft der Heiligen nicht nur als Versammlung, sondern – dem neuen Testament folgend – als Leib Christi aus vielen gleichrangigen Gliedern. Deshalb auch die presbyterial-synodale Kirchenordnung.

Heidelberger Katechismus, Frage 54+55

Frage 54: Was glaubst du von der heiligen, allgemeinen, christlichen Kirche?
Dass der Sohn Gottes aus dem ganzen menschlichen Geschlecht sich eine auserwählte Gemeinde zum ewigen Leben, durch seinen Geist und Wort, in Einigkeit des wahren Glaubens von Anbeginn der Welt bis ans Ende versammle, schütze und erhalte, und dass ich derselben ein lebendiges Glied bin und ewig bleiben werde.
Frage 55: Was verstehst du unter der Gemeinschaft der Heiligen?
Erstlich, dasss alle und jede Gläubigen als Glieder an dem Herrn Christo und allen seinen Schätzen und Gaben Gemeinschaft haben. Zum andern, dass ein jeder seine Gaben zu Nutz und Heil der andern Glieder willig und mit Freuden anzulegen, sich schuldig wissen soll.
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